Strafverteidigung im Darknet

Bereits vor 2 Jahren wurde der bislang größte bekannte deutsche Drogenhändler aka Shiny Flakes im Darknet enttarnt, das Urteil ist nach Revision seit mehr als einem Jahr rechtskräftig. Doch der Fall beschäftigt noch heute die Justiz, denn, wie allgemein bekannt, konnte eine unverschlüsselte Festplatte mit Kundendaten sichergestellt werden. Während Shiny Flakes also bereits seine Strafe verbüßt, müssen immer noch Menschen aus ganz Deutschland erklären, wie ihre Namen auf der Kundenliste gelandet sind.

Dem digitalen Drogenhandel hat dies jedoch anscheinend keinen Abbruch getan. Im Gegenteil entsteht der Eindruck, dass heute mehr Handelsplätze im dunklen Teil des Internets zu finden sind als noch vor 2 Jahren. Die Digitalisierung hat also auch vor dem ewigen Katz und Maus Spiel zwischen Polizei und Drogenszene nicht halt gemacht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass nicht nur neue Marktplätze wie Pilze aus dem Boden schießen, sondern auch neuerlich Ermittlungserfolge gegen Handelsplätze zu verkünden sind.

Im Juli 2017 wurde zunächst der Darknet Markt Alphabay geschlossen, kurz darauf folgte der Hansa Markt. Besonders ist, dass die holländische Polizei den Hansa Markt, wie später bekannt wurde, vor der Schließung übernommen hatte. Konkret bedeutet dies, dass der Hansa Markt, nachdem die Betreiber in Deutschland bereits festgenommen waren, von der niederländischen Polizei weiterbetrieben wurde, um Einblicke in die Geschäfte zu erhalten und möglichst Händler und Kunden zu identifizieren. Es bleibt abzuwarten, ob bei ermittelten Händlern wiederum Adresslisten gefunden werden, was zu einem Schneeballeffekt führen dürfte.

Während also noch die letzten Verfahren gegen vermeintliche Kunden von Shiny Flakes laufen, so ist davon auszugehen, dass den deutschen Ermittlungsbehörden aus den Niederlanden bereits die nächsten Adresslisten von unvorsichtigen Händlern und Kunden übersandt wurden.

Bereits in diversen Verfahren im Zusammenhang mit Shiny Flakes zeigte sich jedoch auch, dass nicht jeder Name auf einer solchen Liste tatsächlich zu einem Drogenhändler bzw. Käufer führt. Bei einigen Verfahren stellte sich heraus, dass fremde Adressen verwandt wurden um die Drogen nicht auf den eigenen Namen bestellen zu müssen, insbesondere, wenn die Briefkästen der Betroffenen leicht zugänglich sind.

Tatsächlichen Händlern und Kunden, welche auf betroffenen Marktplätzen ver- bzw. eingekauft haben ist jedoch zu raten, sich rechtzeitig rechtlich beraten zu lassen. Insbesondere sollte auf eine entsprechendes Grundwissen des Strafverteidigers in den Bereichen IT und bestenfalls sogar Tor Netzwerke und Verschlüsselungsmechanismen geachtet werden, damit die Strafverteidigung den komplizierten Mechanismen des neu entstehenden Drogenhandels gerecht werden kann.