Tierhalterhaftung bei Sturz über schlafenden Hund

zu OLG Hamm, Urteil vom 15.02.2013 – 19 U 96/12 –

Das Oberlandesgericht Hamm entschied: Legt sich ein Hund einer Verkäuferin eigenmächtig in den einzigen Eingangsbereich eines Ladengeschäfts und versperrt dadurch den Zugang, stellt er ein gefährliches Hindernis dar. Verletzt sich ein Kunde bei einem Sturz über den Hund beim Verlassen des Ladengeschäfts, haftet der Hundebesitzer als Tierhalter. Damit änderte das OLG Hamm die erstinstanzliche Entscheidung des Landgerichts Hagen ab.

Dem Urteil liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Die 61jährige Klägerin aus Gummersbach kaufte am 28. August 2009 in einem Reitsportgeschäft in Meinerzhagen ein, in welchem die Beklagte als Verkäuferin beschäftigt war. Die Klägerin stürzte beim Verlassen des Geschäfts über die im Eingangsbereich liegende Schäferhündin der Beklagten. Die beklagte Hundehalterin nahm ihre Hündin – mit Zustimmung des Geschäftsinhabers – regelmäßig mit ins Ladengeschäft.

„Der tierischen Natur entsprechendes unbekümmertes Verhalten der Hündin begründet Tierhalterhaftung“

Das OLG Hamm bejahte die Voraussetzungen einer Tierhalterhaftung gemäß § 833 BGB und verurteilte die Beklagte zum Schadensersatz dem Grunde nach. Es habe sich mit dem Sturz der Klägerin über das Tier eine diesem typischerweise anhaftende Gefahr verwirklicht, welche auf der Unberechenbarkeit und Selbständigkeit tierischen Verhaltens beruhe.

Darüber hinaus verneint das OLG eine Mitschuld der Klägerin, da die Hündin für die Klägerin  – hinter ihr liegend – nur schwer wahrnehmbar gewesen sei. Vielmehr habe die Beklagte den Sturz fahrlässig verursacht, da sie die Klägerin weder gewarnt noch die Hündin aus dem Eingangsbereich entfernt habe.