Tierhalterin haftet nicht für “hengstischen” Ausbruch ihres Wallachs

zu OLG Hamm, Urteil vom 09.04.2013 – 24 U 112/12 –

Das Oberlandesgericht entschied: Einen Schaden, der durch einen „hengstischen“ Ausbruch eines Wallachs entstanden ist, kann der Tierhüter von dem Tierhalter nicht ersetzt verlangen.

Dem Urteil liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Der Wallach der beklagten Halterin war in den Stallungen des als Tierhüter beauftragten Klägers (ein Pferdepensionswirt) untergestellt. Nach Angaben des Klägers habe sich der Wallachlosgerissen, einen elektronisch gesicherten Weidezaun durchbrochen, und sei sodann mit den Vorderhufen auf die seinerzeit 13-jährige Stute des Klägers gestiegen. Die Stute des Klägers – nach seiner Darstellung ein Springpferd im Wert von 150.000 Euro – sei durch diesen sexuell motivierten Ausbruch aggressiven Verhaltens des Wallachs schwer verletzt worden, so behauptet der Kläger und fordert von der Beklagten Schadensersatz in Höhe eines Teilbetrages von 40.000 Euro.

Das Schadensersatzverlangen des Klägers blieb erfolglos. Das OLG Hamm lehnte eine Haftung der beklagten Tierhalterin ab. Es käme hier nicht darauf an, ob die Stute des Klägers aufgrund des behaupteten „hengstischen“ Ausbruchs des Wallachs eine Verletzung erlitt. Selbst wenn dies als zutreffend unterstellt würde, obläge es dem Kläger nachzuweisen, dass er den Schaden nicht selbst verschuldet hat. Ein solcher Nachweis sei dem Kläger allerdings nicht gelungen, so das OLG Hamm.

Der geschilderte Ablauf sei nach den Angaben des gehörten Sachverständigen zweifelhaft. Nach einer Hormonuntersuchung des Wallachs konnte mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass der Wallach aufgrund sexueller Motivation größere Hindernisse überwunden habe, um zu der Stute des Klägers zu gelangen. Dagegen sei ein erhebliches – die Tierhalterhaftung der Beklagten verdrängendes – Verschulden des klagenden Pferdepensionswirts wahrscheinlicher. Ein solches Verschulden liegt z.B. dann vor, wenn der Wallach vor dem Ausbruch ohne entsprechende Schutzvorkehrungen und trotz deutlich erkennbarer Unruhe mit der ihm nicht vertrauten Stute auf der Weide zusammengeführt worden sei.

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